Wirkungsvolle Deutschförderung für Dreijährige in Basel-Stadt

Studie stützt einzigartige Massnahme -- Eine aktuelle Studie der Universität Basel bestätigt die Wirksamkeit der frühen Deutschförderung. Im Kanton Basel-Stadt werden seit 2013 fremdsprachige Kinder obligatorisch in Spielgruppen oder Tagesheime geschickt, falls sie keine oder ungenügende Deutschkenntnisse haben. Die Massnahme des Erziehungsdepartements wurde 2013/14 erstmals erfolgreich umgesetzt und ist bislang einzigartig in der Deutschschweiz. Bei den beteiligten Eltern stösst das Obligatorium auf breite Akzeptanz. Zurzeit läuft die zweite Umsetzung.

Im laufenden Jahr wurden in Basel 35% aller Kinder, die 2015 in den Kindergarten eintreten, zur frühen Deutschförderung verpflichtet. Dies entspricht einer deutlichen Mehrheit der fremdsprachigen Kinder in der Stadt. Seit August besuchen sie an zwei halben Tagen pro Woche eine Spielgruppe, ein Tagesheim oder ein anderes Angebot, um spielerisch Deutsch zu lernen. Auf eine Zuteilung der Kinder wird verzichtet; stattdessen wählen Eltern selbstständig einen geeigneten Platz für ihr Kind. Auch in diesem Jahr erfreuen sich Spielgruppen grosser Beliebtheit: Mit rund 66,5 Prozent nehmen sie die Mehrheit der verpflichteten Kinder auf. Das Obligatorium hat zum Ziel, die Bildungschancen von fremdsprachigen Kindern beim Eintritt ins Basler Schulsystem zu verbessern und gilt für das Jahr vor dem Kindergarteneintritt. In den Gemeinden Riehen und Bettingen wird das Obligatorium autonom umgesetzt.

Die Universität Basel hat den Nutzen der vom Erziehungsdepartement konzipierten Deutschfördermassnahme im Vorfeld der Umsetzung evaluiert. Die Studie kommt zu folgenden Schlüssen:

  • Die frühe Deutschförderung ist dringend notwendig: Die Anzahl förderbedürftiger Vorschulkinder ist mit vier Fünftel aller fremdsprachigen Kinder sehr hoch – auch im internationalen Vergleich.
  • Der Besuch einer Spielgruppe oder eines Tagesheims im Umfang von zwei Halbtagen pro Woche während eines Jahres verbessert die Deutschkenntnisse deutlich. Die Massnahme des Erziehungsdepartements wirkt. Eine frühere und intensivere Deutschförderung würde die Wirksamkeit jedoch noch vergrössern.
  • Fremdsprachige Kinder lernen die deutsche Sprache langsamer als ihre deutschsprachigen Altersgenossen. Dieser Rückstand in der Sprachentwicklung kann nicht aufgeholt werden, er vergrössert sich aber weniger schnell.

Die Kinder mit Deutschförderbedarf werden mittels eines wissenschaftlichen Elternfragebogens eruiert. Dieser wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Basel entwickelt und ist das erste derartige Instrument in der Deutschschweiz. Der Fragebogen muss von allen im Kanton Basel-Stadt wohnhaften Eltern ausgefüllt werden, wenn sie ein Kind im entsprechenden Alter haben. Das Erziehungsdepartement gewinnt damit einen sehr guten Überblick über die Deutschkenntnisse der Basler Vorschulkinder. Die Erfahrungen zeigen, dass die Eltern den Fragebogen sorgfältig ausfüllen.

Ergänzend zur Wirksamkeitsstudie der Universität Basel liegt eine begleitende Evaluation der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) vor. Sie analysiert die Praxis der spielerischen Deutschförderung in Tagesheimen und Spielgruppen anhand gezielter Einzelbeobachtungen. Zudem werden die Vorstellungen der Betreuungspersonen von guter Deutschförderung mit der Umsetzung im Alltag verglichen.

Schliesslich wurde die Umsetzung des Obligatoriums in den Spielgruppen durch die Amsler Consulting eigens evaluiert. Die Spielgruppenleiterinnen äussern sich mehrheitlich sehr positiv über die Umsetzung der Massnahme, die Zusammenarbeit mit dem Erziehungsdepartement und der stärkeren Präsenz der Spielgruppen in der Öffentlichkeit.

Hinweise:

Weitere Informationen unter www.volksschulen.bs.ch

nach oben